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Pressemitteilung zur Veranstaltung mit dem Journalisten Andreas Speit am 20.01.2026 in Falkensee

  • Redaktion
  • vor 10 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Pressemitteilung zur Veranstaltung mit dem Journalisten Andreas Speit am 20.01.2026 in Falkensee

Am 20.01.2026 war der Journalist und Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit in Falkensee zu Gast. Sein Auftritt wurde ermöglicht mit finanziellen Mitteln von der Brandenburger Landeszentrale für politische Bildung und der Partnerschaft für Demokratie Falkensee. Letztere war gemeinsam mit der Phronesis Diskurswerkstatt Veranstalter. Weitere Unterstützung gab es vom Verein care4democracy e.V..

Im Mittelpunkt stand das neue Buch von Speit mit dem Titel „Autoritäre Rebellion“. Darin geht er der Frage nach, wieso Menschen zum Autoritären neigen und sich von der Demokratie abwenden. Handelt es sich dabei um die Suche nach „Schuldigen“ und Verantwortlichen zum Beispiel in von Krisen geprägten Zeiten?


von links nach rechts: Stefan Settels (Partnerschaft für Demokratie), Inka Thunecke (Phronesis Diskurswerkstatt), Andreas Speit, Dr. Tom Schaak, Dr. Lars Haustedt (bd. care4democracy), Dr. Mathias Richter (Phronesis), Silvia Schaak
von links nach rechts: Stefan Settels (Partnerschaft für Demokratie), Inka Thunecke (Phronesis Diskurswerkstatt), Andreas Speit, Dr. Tom Schaak, Dr. Lars Haustedt (bd. care4democracy), Dr. Mathias Richter (Phronesis), Silvia Schaak

Entmenschlichung der Migrationsdebatte

Er beschrieb, wie eine Rechtsaußenpartei anhand des Themas „Einwanderung“, diese als angeblich gravierende Belastung darstelle. Auffällig sei, dass jede Form der Menschlichkeit bei der Betrachtung des Themas außen vorgelassen werde. Diese Entmenschlichung führe dazu, dass zum Beispiel Flüchtlinge, die Schutz vor Krieg suchen, nicht als Menschen gesehen werden.  Zudem sei es ein Wesensmerkmal aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, dass sie im Einzelfall auch über Schwächen und Probleme verfügen. Geprägt sei diese Diskussion beim Thema Zuwanderung auch von einer Neiddebatte hinsichtlich der Versorgung der Betroffenen. Diese Diskursverschiebung führe zur Ethnisierung von gesellschaftlichen Problemen. Diejenigen, die sich aktuell am heftigsten über Zuwendungen an Bedürftige beschweren, wären ohnehin diejenigen, die grundsätzlich jegliche Integrationsmaßnahmen boykottiert hätten. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft und die Schaffung von Ressentiments führe zum Autoritarismus. So habe der emeritierte Sozialpsychologe Prof. Elmar Bräler schon vor längerer Zeit folgenden Faktor für den Rechtsruck in der Gesellschaft identifiziert: Die Mitte der Gesellschaft fürchtet den sozialen Abstieg und verteidigt mit dem Ellenbogen Hab und Gut.


Rebellion gegen den Staat

Laut Speit haben sich in der Corona-Zeit Teile der Mitte mit Reichsbürgern und Rechtsextremen eingelassen, um gegen jegliches staatliche Handeln zu rebellieren. Diese Rebellen stellen nicht nur die Realität und Fakten in Frage, sondern glauben an Verschwörungserzählungen, die auch dem antisemitischen Kontext zuzuordnen sind. Sie lehnen den Rechtsstaat ab und delegitimieren die Demokratie. Es reicht ein gemeinsamer kleiner Triggerpunkt z.B. in Form einer vermeintlichen Benachteiligung, in der Wut auf den Staat: Das rechtsextreme Gedankengut einer Partei werde in Kauf genommen und diese gewählt, obwohl deren Parteiprogramm keinen persönlichen Vorteil für den Wählenden bringt. Es reichen Brückenthemen um Menschen aus der Mitte zu vereinnahmen. Die aktuellen weltweiten Krisen lösen bei Menschen Ängste aus, da ihnen die Planbarkeit und Überschaubarkeit fehlt. Sie wenden sich deshalb gegen die Globalisierung. Für sie gelte die „Ich-AG“, die wiederum den Weg zum Autoritarismus ebnet. Seit den Corona-Protesten agiere die Rechtsaußenpartei auch anti-feministisch. Dies mache sie, indem sie das traditionelle Frauenbild propagiert und deren Rolle zur reinen „Care-Frau“, liebenden Mutter und Behüterin degradieren. Diese Form der Idealisierung und Mystifizierung sei der Epoche der Romantik entliehen.


Nationalsozialisten und Neue Rechte nutz(t)en Elemente der Romantik für Propaganda

Ohnehin würde die Romantik von den blauen Alternativen gern bemüht. Als Beispiel führte Speit die instrumentalisierte Empörung (von Höcke und Weidel) an, als es um die Errichtung eines Windparks im hessischen Reinhardswald ging. Die Gebrüder Grimm ließen sich von diesem Forst zu ihren berühmten Märchen inspirieren. Die Hetze gegen den Aufbau der 18 Windräder relativierte sich rasch: In dem 20.000 Hektar großen Wald werden bis Ende 2026 18 Windräder aufgestellt. Der Platzbedarf dafür entspricht ca. 0,15 Prozent der gesamten Fläche. Er erinnerte daran, dass bereits der Nationalsozialismus erfolgreich mit der Romantik seine Anhängerschaft einfing: Die NS Propaganda setzte auf die Glorifizierung des Nationalstaats, auf germanische Heldensagen, das Volksbrauchtum, Blut und Boden-Mythos. Zusätzlich wurden rassistische Elemente beigemischt, um dem Volk ein Überlegenheitsgefühl zu vermitteln. Das erkläre, warum der Rechtsruck in der Mitte der Gesellschaft aktuell auch die esoterisch geprägten Milieus erreiche.

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