top of page

Was folgt auf brennende Bücher? Der 10. Mai 1933 als Mahnung!

Der 10. Mai 1933 als Mahnung?

Am 9. Mai 2026 fanden sich zahlreiche Gäste zum Gastspiel des MAGMA-Theaters im Musiksaal ein. Danke an Helga Lümmen für diese ausgezeichnete Empfehlung! Tom Schaak (Vereinsvorsitzender) dankte der Partnerschaft für Demokratie für die Förderung und legte dar, dass es sich bei der Aufführung um einen Vorgriff auf die Bücherverbrennungen rund um den 10. Mai 1933 handeln würde. In Falkensee fanden die Bücherverbrennungen auf dem Dorfanger gegenüber dem Rathaus statt. Eine Veranstaltung wie diese ist wichtig, um vor der Abschaffung einer Demokratie zu warnen. Wenn heute in einem sog. „Regierungsprogramm“ einer Partei in Sachsen-Anhalt gefordert wird „Kein Staatsgeld für antideutsche Kunst und Kultur!“ stellt sich die Frage, ob in ferner Zukunft wieder brennende Bücher erlebt werden. Auch in den USA zeigt sich eine gefährliche Entwicklung: Es werden aus Bibliotheken unliebsame Bücher entfernt. Dafür dürfen dann solche, wie „Mein Kampf" verbleiben, erklärte sorgenvoll der Vorsitzende.

Nach diesen einleitenden Worten hieß es „Bühne frei!“

Für den Besucher war bereits die Sitzplatzverteilung überraschend: Die Stühle waren unstrukturiert unterhalb der Bühne verteilt worden. Die SchauspielerInnen in schwarzer Kleidung hatten sich im Publikumsbereich ebenfalls verteilt. Der Raum war verdunkelt und die Gäste saßen teilweise mit dem Rücken zu dem auf der Bühne befindlichen Flügel. Dadurch wurde ein besonderer Effekt erzielt: Das Publikum konzentrierte sich zum Teil mit geschlossenen Augen auf die Textinhalte, um diese auf sich wirken zu lassen.

Flügelklänge, Gesang und Rezitationen – eine gelungene Inszenierung!

Für den passenden klingenden Einstieg in das Stück sorgte der Pianist. Es erklang das Stück „Glick“, (dt. „Glück)“ 1930 geschrieben vom jüdischen Musiker Alexander Olshanetsky, geboren in Odessa und der nach seiner Auswanderung nach New York im Jahr 1922 zu einem bekannten Komponisten und Dirigenten an der Second Avenue avancierte. Allein der Klang der Melodie schaffte es, den nicht besungenen Textinhalt zum Ausdruck zu bringen: Wehmut darüber, dass Glück leider oft zu spät kommt, aber dennoch für einen kurzen Moment der Freude sorgt.

Im Anschluss glänzte das mehrköpfige Ensemble mit einem Potpurri aus rezitierten Texten und Briefinhalten, die von Autorinnen und Autoren verbrannter Bücher, stigmatisiert als Träger des „undeutschen Geistes“, verfasst worden waren. Hunderte Bücher, vor allem jüdischer und pazifistischer Autoren wurden verboten. Der Naziterror und die permanente Angst vor der Deportation wurde nachfühlbar dargeboten als von der jüdischen Lyrikerin Nelly Sachs „Es kamen Schritte“ vorgetragen wurde. Auch die eindrucksvolle Rezitation von Else Lasker-Schülers Gedicht „Mein Blaues Klavier“ (1937, geschrieben im Schweizer Exil) über den Verlust der Heimat und die dortige Vernichtung der Kultur wirkten auf das Publikum wie ein Alarmsignal. An geeigneten Stellen trugen Akteure sog. „Feuersprüche“ vor, entwickelt vom NS-Studentenbund, die der rituellen Inszenierung dienten. Diese wurden passend in das Stück mit Begleitung des Pianisten am Flügel eingebunden. Dadurch wurden beängstigende Erinnerungen wachgerufen, wenn es zum Beispiel hieß: „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“  Einen musikalischen Höhepunkt bildete ein eingefügter Chorgesang mit Flügelbegleitung. Vorgetragen wurde „Einen großen Nazi hat sie, einen kleinen Nazi hat sie“, (1928, Musik Stephan Weiss), dessen satirischer Text aus der Feder des jüdischen Kabarettisten Fritz Grünbaum (ermordet 1941 im KZ Dachau) stammt. Gesungen wurde das Lied in der „Revue Weltgeschichte“ und parodiert, wie sich eine Frau verliebt zeigt in zwei Nationalsozialisten, die von ihr als „Schatzi“ bezeichnet werden. Der Foxtrott ließ das Publikum gleichzeitig das Nachtleben der Weimarer Republik als auch die Verführbarkeit durch den aufstrebenden Nationalsozialismus erfahren.

Satire und Humor als Kotrast zur Bedrohung

Dem Einfühlsamen, dem Bedrohlichen und den Ängsten wurde auch Humorvolles kontrastvoll entgegengesetzt, zum Beispiel mit „Der Briefmark“ (Joachim Ringelnatz,1912). Satirisches von Kurt Tucholsky fand ebenfalls Platz mit seinem persiflierenden Gedicht „Aussage eines Nationalsozialisten vor Gericht“ (1930). Seine Verse, die die typischen, verharmlosenden Aussagen von Nazis vor Gericht, die sich nach Gewalttaten als Opfer darstellten, obwohl sie Täter waren, implizierten beim Zuschauer Parallelen zur heutigen Zeit (Opferrolle!) und die Frage nach einer Blindheit auf dem rechten Auge… der Politik und Justiz? Musikalisch klang die Aufführung aus mit der Musik von Friedrich Holländer „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ (1931) und regte damit erneut zum Nachdenken an!

Applaus und Dank an die Schauspieler für diese eindrückliche und gelungene Darbietung und künstlerische Leistung! Der Auftritt in Falkensee wird sicherlich für neue Fans gesorgt haben. Neugierig geworden auf das MAGMA-Theater? Hier der Link zur Homepage: https://www.magma-theater.de/plays/all.php

Tom Schaak beendete die Veranstaltung mit folgenden Worten: „Ja, wir genießen Kultur und Freiheiten auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen GO, unserem GG. Das als Rückblende noch zum gestrigen 8. Mai, dem Tag der Befreiung von der unmenschlichen Nazidiktatur. Und es war ebenso ein Ende von Krieg und Vernichtung,Darum möchte ich am Ende noch auf den heutigen 9. Mai als Todestag von Margot Friedländer hinweisen und ihre mahnenden Worte: „Seid Menschen!"


Das Magma-Theater und seine diversen Akteure: Stefan Diedrich (Flügel), Jörg Sobeck (Idee und Produktionsleitung), Diana Knauthe, Aika Thiemann, René Marquis, Brigitte Reither, Max Rüdiger, Martina Plätzel-Treder, Aksana Grineva, Max Reither, Renée-Marie Beyer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 
 
 

Kommentare


bottom of page