Dr. Volker Weiß in Falkensee: Die extreme Rechte nutzt Geschichte als politische Waffe
- Redaktion
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Falkensee, 24. März 2026 – Der Historiker und Journalist Dr. Volker Weiß sprach auf Einladung des Vereins care4democracy in Falkensee über die Strategien der extremen Rechten im Umgang mit Geschichte und Demokratie. Die Veranstaltung wurde von Hans Pfeifer, Journalist bei der Deutschen Welle, moderiert und bewusst auf den Jahrestag des Inkrafttretens des Ermächtigungsgesetzes von 1933 gelegt. Die Förderung erfolgte über die Initative "Zukunftswege Ost".

Im Zentrum stand Weiß’ Buch „Das deutsche demokratische Reich“. Er erläuterte, wie rechtspopulistische und autoritäre Akteure Geschichte bewusst umdeuten („Resignifikation“), um sich als Vertreter „des Volkes“ zu inszenieren und demokratische Werte zu untergraben. Anhand aktueller Beispiele wie Donald Trump und Wladimir Putin zeigte Weiß, dass symbolträchtige historische Elemente für politische Inszenierungen genutzt werden – unabhängig von deren ursprünglicher Bedeutung.
Weiß wies darauf hin, dass die extreme Rechte gezielt die moderne Geschichtsschreibung angreift, kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit untergräbt und so Raum für ideologische „Neuerzählungen“ schafft. Strategien wie die massenhafte Verbreitung von Desinformation über soziale Medien führten zu Verunsicherung und einem „prätotalitären Meinungschaos“. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie anfällig Gesellschaften für solche Manipulationen sind.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Relativierung der NS-Zeit und die Vereinnahmung von DDR-Bürgerrechtsparolen wie „Wir sind das Volk“ oder „Vollende die Wende“. Rechte Akteure präsentierten sich als demokratische Vertreter, definierten jedoch selbst, wer „zum Volk“ gehört – ein klarer Bruch mit den Grundprinzipien des Grundgesetzes und dem Schutz von Minderheiten.
Weiß beleuchtete auch die geistigen Vordenker der Neuen Rechten, darunter Götz Kubitschek und sein Institut für Staatspolitik in Schnellroda, wo kontroverse Konzepte wie ein Klassenwahlrecht oder die Einschränkung von Wahlrechten diskutiert werden.
Als Gegenmittel betonte Weiß die zentrale Bedeutung von Aufklärung, historischer Bildung und politischer Erziehung, sowohl in der Gesellschaft als auch in Familien. Kürzungen bei Programmen wie „Demokratie leben!“ kritisierte er als kontraproduktiv.
Abschließend warnte Weiß, dass die bewusste Umdeutung von Geschichte und die Untergrabung rationaler Systeme direkte Angriffe auf die Demokratie darstellen. Nur eine informierte und reflektierte Gesellschaft könne die Grundlagen demokratischer Ordnung schützen.




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