Tu was! Eine kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie!
- Redaktion
- 2. März
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Am 12. Februar 2026 hatte care4democracy e.V. als Veranstalter dank der Förderung der „Zukunftswege Ost“ -Initiative den ehemaligen und langjährigen Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz und Autor des Buches „Tu was! Eine kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie“ aus Münster zu Gast. Den Anstoß, das genannte Buch zu schreiben, gab eine Mitteilung in den Medien, dass sich zwei Drittel der Deutschen aktuell Sorgen um die Demokratie machen. Zusätzlich zeigte ihm die Datenbank „Statista“, dass es auf der gesamten Welt nur 34 vollständige Demokratien gibt. Eine davon ist die Bundesrepublik Deutschland. Jeder Bürger dieses Landes könne sich glücklich schätzen, zufällig hier geboren zu sein. Er beschrieb, dass das Grundfundament einer Demokratie auch die bereits von Montesquieu 1748 geforderte Gewaltenteilung sei! Sie diene dem Schutz der Freiheit vor Despoten. Ein Angriff auf die Justiz sei deshalb ein Warnsignal, und ein Zeichen für Demokratieabbau, denn bestimmte Gruppen wollen auf diesem Wege versuchen, unkontrolliert Macht auszuüben. Kennzeichen einer Demokratie sei das permanente Aushandeln von Kompromissen. „In der Demokratie müssen wir auf das Spielfeld und nicht auf der Tribüne sitzen bleiben.“ Er riet, sich als Bürger entsprechend, zum Beispiel im Verein oder in Parteien, einzubringen. Das ständige empörende Aufzeigen des angeblichen „Unvermögens“ dieses Staates, auch wenn es Probleme gebe, spiele nur den Rechtsextremisten in die Hände, da das Wertvolle und Gelingende komplett außer Acht gelassen werde. Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit und Migration habe es immer gegeben. Die Verächtlichmachung unseres Staates und die von den Rechtsaußen-Parteien provozierte Verdrossenheit des Bürgers decke sich nicht mit Fakten. Er stellte dem Publikum die Frage, warum wir Deutsche mit unserem Reisepass in fast alle Länder der Welt unbürokratisch einreisen können? Der Grund sei, dass sich die Gastgeber sicher seien, dass wir als Deutsche auch wirklich wieder nach Hause zurückkehren, denn im internationalen Ranking würden wir unter den ersten zehn Ländern als „Wunschwohnort“ rangieren.

Ein elementarer Grundpfeiler der Demokratie sei außerdem das Vertrauen in die vorgegebene Ordnung. Diese Ordnung wiederum basiert darauf, dass sich alle an die Regeln halten. Diese lassen sich für uns als Gesellschaft aus dem Grundgesetz herleiten. Und um diese Werte, z.B. die Menschenwürde, zu verstehen, müsse dem Wahlvolk die nötige Urteilskraft vermittelt werden. Da unser Weltbild überwiegend von den Medien geprägt werde, würde die Neue Rechte daran arbeiten, die seriösen Medien zur „Lügenpresse“ zu stilisieren. Erfahrungsgemäß sei dabei der lauteste Schreihals unabhängig von seiner Kompetenz der Erfolgreichste! In diesem Kontext ist es nach seiner Ansicht besonders gefährlich, wenn die Blase in den extrem rechten Medien mit Lügen statt mit Fakten arbeite. Die Gefahr, die mit der Verbreitung von Lügen durch polarisierende Portale ausgeht, untermauerte er mit einem Voltaire zugeschriebenen Zitat: „Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, bringt dich auch dazu, Gräueltaten zu begehen“ und verknüpfte es mit einem Rückblick auf die nationalsozialistische Herrschaft. Beispielhaft für eine Verdrehung von geschichtlichen Tatsachen sei zum Beispiel die Aussage: „Hitler war ein Kommunist.“
Polenz stellte die These auf, dass Demokratien durch Wahlen sterben, ein Beispiel sei Amerika unter der aktuellen Präsidentschaft.
Um eine Demokratie zu retten, bedürfe es daher der Zivilcourage! Alle Krankenhäuser in Deutschland müssten ihren Betrieb sofort einstellen, wenn alle Beschäftigten mit Migrationshintergrund unser Land verlassen müssten. Nicht nur im Gesundheitswesen seien sie eine zentrale Säule unseres Systems. Aus diesem Grunde sei es dringend erforderlich, bei ausländerfeindlichen Bemerkungen laut Widerspruch zu erheben. Ein Schweigen würde zur Normalisierung dieser Ansichten führen. Nach seiner Erfahrung würde diese Form des mutigen Einschreitens sogar ansteckend wirken! Polenz sagte: „Die Qualität einer Gesellschaft bemisst sich daran, wie sie mit Minderheiten und Schwächeren umgeht!“ Der Autor sprach konkrete Handlungsempfehlungen aus: Nehmen Sie an Demonstrationen teil und zeigen Gesicht! Werden Sie als politischer Influencer aktiv in den sozialen Medien! Engagieren Sie sich!Sie können viel erreichen, wenn Sie in eine Partei eintreten, da diese nach dem Grundgesetz das Fundament der politischen Willensbildung ist! Diese Mitwirkung führe auch zur wichtigen Selbstwirksamkeit. Danken Sie denen, die sich engagieren, zum Beispiel den Kommunalpolitikern, die einen großen Teil ihrer Freizeit für die Gesellschaft opfern. „Sprechen Sie ein „Danke“ als explizite Form der Anerkennung aus, denn es wird auch Ihnen gute Laune machen!“ betonte Polenz. Das wäre auch ein guter Kontrapunkt zu den Rechtsextremen, denn diese würden von der schlechten Laune leben!
Stellung nahm der Ex-Bundestagsabgeordnete auch zur sog. „Brandmauer.“ Es sei ein vertretbarer Begriff, da er aufzeige, dass etwas vor dem Feuer dahinter zu schützen sei.
Mit einer Parabel sorgte Polenz für einen warnenden Abschluss: Ein alter Indianer sitzt mit seinem Enkel an einem Lagerfeuer und erzählt diesem, dass im Innern des Menschen zwei Wölfe gegeneinander kämpfen. Der böse Wolf sei der Vertreter von Neid, Zorn, Missgunst, Gier, Selbstmitleid und Lüge. Der gute Wolf stehe für positive Dinge: Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl und Wahrheit. Als der Enkel fragt, wer von beiden Wölfen den Kampf gewinnt, bekommt er die Antwort: „Der, den du fütterst.“ Allen Teilnehmenden rief er zugleich in Erinnerung, dass das Böse mit dem Ende der Weimarer Republik Macht über unsere deutschen Vorfahren gewonnen hatte! Eine perfekte Mahnung, sich ab sofort entschieden für unsere Demokratie einzusetzen!




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